15. Internationale Schillertage

Game over – Schillers Spieltheorie und das Verschwinden von Öffentlichkeit

„Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“. Spielt er aber nur für sich oder mit und vor anderen? Schiller begreift Spiel als Ausdruck der inneren Freiheit des Menschen, die ihn von den Zwängen der Realität befreien kann. Diese Vorstellung steht im Spannungsverhältnis zur Idee eines Publikums, einer kritischen Öffentlichkeit, die sich im Denken der Aufklärung als Gegenentwurf zum Repräsentationsprinzip der höfischen Gesellschaft entwickelt hat.

So sehr Schillers Ideal von ästhetischer Erziehung die Idee des Spiels und zugleich der Gemeinschaft propagiert hat, so sehr blieb sein Denken der Theaterpraxis den Rahmenbedingungen des damals entstehenden bürgerlichen Kulturbetriebs verhaftet. Während sich sein Idealbild von Theater eher am antiken Griechenland und seinen öffentlichen, zwischen Politik und Religion vermittelnden Festspielen orientierte, wurde im deutschsprachigen Theater um 1800 die Guckkastenbühne etabliert, mit einer weitgehenden Disziplinierung sowohl der Schauspieler als auch der Zuschauer. Öffentlichkeit und insbesondere der öffentliche Raum bilden demgegenüber eine Art Fluchtpunkt in Schillers Konzeptionen von Spiel und Theater, eine Projektion ins Reich der Poesie, in die Vergangenheit oder auch in eine ideale Gesellschaft der Zukunft.

Gegenwärtige Theaterformen stellen erneut die Frage nach dem Spiel, reflektieren dabei aber zunehmend den gesellschaftlichen und kulturellen Kontext. So arbeiten sie längst nicht mehr nur an anderen Spielräumen jenseits der konventionellen Guckkastenbühne, beschäftigen sich ebenso mit dem öffentlichen Raum, seiner Bedeutung, seinen expliziten und impliziten (Spiel-)Regeln. Dabei geht es verstärkt um Repräsentation als Problem, je mehr das Verschwinden öffentlicher Räume durch Privatisierung und Kommerzialisierung voranschreitet und Theater seine Bedeutung als Ort eines öffentlichen Diskurses verliert. In unserem Forum wird es darum gehen, die Frage nach dem Verhältnis von Theater und Spiel, von Öffentlichkeit und Repräsentation von der aktuellen Praxis her zu diskutieren.